Mein Name ist Leen – es ist eine Abkürzung, die ich im Internet verwende.

Ich bin 50 Jahre alt. Stehe somit in der Mitte meines Lebens, sofern ich 100 werden sollte…

Derzeit bin ich nicht berufstätig, da ich mich in einem „Sabbatical“ befinde. Das ist eine einjährige berufliche Auszeit, doch bald schon – im März 2016 beginne ich wieder regulär, d.h. 40 Std. die Woche, zu arbeiten.

Derzeit wohne ich mal hier und mal da. Ich habe zwar eine Wohnung, doch gefällt es mir ein Leben auszuprobieren, das anders ist, als ich es bis jetzt gekannt habe: mit einer konstanten Wohnmöglichkeit und dazugehörigem Kleiderschrank. Dem Briefkasten, den ich widerwillig täglich oder zumindest einmal wöchentlich leerte immer mit der Befürchtung, Rechnungen zu erhalten. Einer strukturierten Tages-/Wochen und Monatsplanung. Aufstehen, Toilette, ein Glas Wasser trinken, duschen, anziehen (und die Qual der Wahl zu haben, was anzuziehen) und zur Arbeit zu fahren. Dabei im Stau stehen und dasselbe wieder beim Heimweg. Noch einkaufen, Abendessen vorbereiten, Haushaltstätigkeiten erledigen, Fernschaun und/oder computern, Zähneputzen, waschen, schlafen gehen.

Einmal wöchentlich mit Freunden treffen, ausgehen. Verwandte besuchen – so sah mein Leben aus.

Seit fast zehn Monaten nun lebe ich gänzlich anders. Ich habe einen Koffer mit mir, mit ein paar Kleidungsstücken, einer Kosmetiktasche, ein paar Schuhen und das Auto. Ich wohnte bei einer Freundin, bei meiner Gr0ßmutter, im Gartenhaus meiner Mutter und eine Nacht schlief ich bei meiner Tochter.

Das erste Monat benötigte ich, um mich auf mein neues Leben einzustellen. Danach begann ich zu reisen. Ich besuchte die Philippinen, Thailand und Indonesien. Im Sommer kam ich zurück nach Hause, da meine Großmutter ihren 87. Geburtstag feierte. Diesen wollte ich mit ihr verbringen. Danach kam ich nicht weg, weil der Verdacht auf eine Krankheit auftauchte und ich einen Monat lang auf die Diagnose warten musste – wobei sich letztlich alles in Wohlgefallen auflöste.

Dazu kam die sogenannte „Flüchtlingskrise“ – ich war schockiert von den Ereignissen und versuchte mich, wie viele Andere, auch ein bisschen zu engagieren um das Ganze etwas besser fassen zu können.

Dann hätte ich eigentlich weiterreisen können, doch gefiel es mir, mal hier mal dort zu leben, va. aber verbrachte ich meine Zeit mit meiner Großmutter. Ich war – und bin – mir bewusst, dass dieses Zusammensein ein ganz wichtiger Part in meinem – und in ihrem Leben – ist. Wir kamen uns wieder sehr nahe, ich konnte ihr auch wieder mehr Lebensqualität vermitteln und sie mir Freude an unserer Gemeinsamkeit. Diese Zeit war wichtig. Meine Mutter – die mit meiner Großmutter zusammen lebt – übersiedelte in diesen beiden Monaten aufs Land. Nun aber kam sie wieder zurück und ich bin nun statt ihrer hier am Land, in einem kleinen Häuschen, ganz alleine, nur mit Hund.

Und schon wieder muss ich meine Abreise verschieben, denn nun wird meine Mutter operiert und ich habe abzuwarten, wie es ihr nach der OP geht, ob ich ihr behilflich sein muss. So vergeht Woche um Woche und ich schwanke zwischen Wohlfühlen so wie es ist, und dem Wunsch, die Zeit nun zu nützen und weiter zu reisen. Wie oft hat man in einem Leben das geprägt ist von Berufstätigkeit die Gelegenheit, länger als ein paar Wochen zu verreisen.

Dabei habe ich derzeit überhaupt keine Ahnung wohin es gehen soll. Meine Tochter wird voraussichtlich in ein paar Tagen nach Australien fliegen. Vielleicht sollte ich ebenfalls nach Australien reisen, ohne dass sie es weiss, und sie dort dann wie zufällig auf der Strasse treffen? Ich fände das witzig, sie wohl eher weniger, also belasse ich es lieber mal bei dem Gedanken daran.

Wie man also erkennen kann, bin ich eine Freundin des Spontanen, des Ungewöhnlichem, des ein bisschen „anders sein“. Das mag damit zusammenhängen, dass ich eine Gehbehinderung habe, daher war ich seit ich denken kann, jemand, der immer schon ein bisschen „anders“ war. Während der Schulzeit war ich regelmässig wochenlang nicht in der Schule sondern im Krankenhaus und zuhause um wieder gehen zu lernen. Ging mit Krücken in die Schule. Ich konnte nicht beim Fussballspielen mitspielen, stand aber im Tor, wenn es mir wieder gut ging. Auch Schulausflüge, Wanderungen, Schulreisen blieben mir verwehrt – doch nützte ich die Zeit dann eben anders ohne gross darüber nachzudenken.Es war eine Selbstverständlichkeit für mich, so zu sein wie ich bin, und so sahen es dann auch die Anderen. Das zieht sich durch bis heute, in meinem Berufs- und Privatleben. Ich reise alleine, nach meinem Tempo und Möglichkeiten. Beruflich konnte ich es so einrichten, dass nun Rahmenbedingungen geschaffen wurden, die mir ein ungehindertes/unbehindertes Arbeiten möglich macht. Ich merke aber, dass Erwachsene meine Behinderung nicht als so selbstverständlich nehmen können, wie es damals die Kinder taten. Erwachsene können nicht damit umgehen, dass man an einem Tag nicht laufen kann, und ein paar Tage später dann wieder top fit ist. Dass man am Morgen beschwingt durch die Türe kommt – ohne Krücken – und nach einem Arbeitstag kaum einen Schritt gehen kann. Es erfordert Akzeptanz – ein Hinnehmen von Gegebenheiten die nicht kalkulierbar sind – und das ist für Manche schwierig. Ich kann das durchaus nachvollziehen – aber auch ich muss mich darauf einstellen, damit umgehen. Wobei ich den Vorteil habe, damit schon immer gelebt zu haben – diese Unberechenbarkeit meiner körperlichen Verfassung also schon kenne.

Dieses Sabbatical-Jahr nun wollte ich nützen um Dinge zu tun, die ich voraussichtlich in den nächsten Jahren gesundheitsbedingt nicht mehr machen werde können. Lange Flugreisen, mit dem Scooter fahren, auf ein Boot steigen, durch Sand gehen…

Daher ist es höchste Zeit wieder abzureisen und zu sehen, was das Leben mir noch bringt.

Nach meiner Rückkehr dann beginnt wieder der Alltag. Die Zeit bis zu meiner Pension – frühstens dann in 10 Jahren.

Ich wünsche mir, einen Partner kennenzulernen, noch ein paar weitere Reisen zu machen. Wahrscheinlich werde ich ein paar Operationen vor mir haben. Und ich hoffe sosehr, dass mein Kind gesund bleibt und es zu keinem Krieg kommt. Das wären meine Wünsche für meine Zukunft.

Daneben kann ich mir gut vorstellen, ein Buch zu schreiben. Oder ein Café zu eröffnen, oder ein kleines Hotel. Dazu benötigt es aber Geld, das ich nicht habe. Daher brauche ich noch die zündende Idee, wie ich neben meiner regulären Arbeit noch zu Geld komme, und mir diesen Wunsch nach einem Café oder Hotel zu erfüllen. Ich kann zwar Einiges – bin gut ausgebildet, könnte coachen, habe Ideen, bin kreativ. Doch dadurch dass ich alleine lebe, fehlt mir der Austausch, das kreative Spiel mit den Gedanken des Anderen.

Aber wer weiss – vielleicht ergibt sich durch diesen Blog hier mit Dir, ein solcher Austausch. Das wär doch was! 😉

 

 

 

 

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